Max Pelzer interviewt Lukas Pellmann

Lukas Pellmann hat rund ein Jahr an Bodenturbulenzen geschrieben. Im Interview mit der Hauptfigur seines Romans, Max Pelzer, spricht der Autor über die Idee zum Roman, langweilige Buchcharaktere und warum er interaktive Elemente in Büchern für
sinnvoll hält.

Wie bist du auf die Idee für Bodenturbulenzen gekommen?
Pellmann: Ich wollte vor zwei Jahren von Frankfurt nach Wien fliegen, die Airline hatte aber den Flieger überbucht. So musste ich einige Zeit auf den nächsten Flug warten und hatte viel Zeit zum Nachdenken. Der Ausgangspunkt von Bodenturbulenzen basiert also auf einer wahren Begebenheit.

Also bist du auch 24 Stunden am Frankfurter Flughafen festgesessen?
Pellmann: Nein, bei mir waren es „nur“ fünf Stunden. Aber auch die haben schon gereicht, um einen Eindruck von einer solchen Situation zu bekommen. Natürlich habe ich mich tierisch geärgert. Doch mit der Zeit verwandelte sich der Ärger in Kreativität. Das Resultat dieses Kreativitätsprozesses ist jetzt als Roman erschienen.

Gibt es reale Vorbilder für die Figuren in Bodenturbulenzen? Vor allem wäre ich an Details zu Theresa interessiert, in die ich mich ja im Roman verliebe.
Pellmann: Viele Autoren denken an bestimmte Personen, wenn sie Charaktere für ein Buch entwerfen. Da fließen durchaus optische oder inhaltliche Merkmale von realen Personen in Figuren ein. Das war auch bei Bodenturbulenzen nicht anders. Es gibt aber keine Figur im Roman, die 1:1 in meinem Bekannten- oder Freundeskreis existiert. Was Theresa betrifft: Da gibt es in der Tat ein optisches Vorbild. Name und Kontaktdaten werden hier aber nicht verraten.

Warum hast du aus mir keinen coolen Typen gemacht, so einen richtigen Frauenhelden und Draufgänger?
Pellmann: Ich finde nahbare Helden in Romanen spannender als irgendwelche aalglatten Supertypen, denen alles gelingt und die keine Fehler machen. Perfektion kann sehr schnell langweilig werden und du bist kein langweiliger Charakter. Betrachte es also
als Kompliment.

Ich treffe im Roman auf einen ehemaligen Schulkameraden, Gisbert Bäumer. Er wirkt nicht richtig sympathisch, versucht sich ständig als Held aufzuspielen. Was hat es mit ihm auf sich?
Pellmann: Gisbert ist ein typischer Dampfplauderer, der immer gerne im Mittelpunkt steht und zu allem und jedem was zu sagen hat. Wagt man einen Blick hinter seine Fassade, kommt man aber drauf, dass er eine ziemlich arme Socke ist. Ich sehe gerne hinter Fassaden, also musste es in Bodenturbulenzen auch jemanden wie Gisbert geben.

Warum hast du es mir angetan, dass ich jeden Donnerstag für zwei Stunden per WhatsApp erreichbar sein muss? Andere Romanhelden haben nach dem Entstehungsprozess des Buches schließlich auch ihre Ruhe.
Pellmann: Wir leben in einer Zeit, in der ein fertiges Produkt, das Menschen einfach nur vorgesetzt wird, immer weniger funktioniert. Ich glaube, dass sich viele junge Leserinnen und Leser heutzutage mehr erwarten. Menschen sind es mittlerweile gewohnt, dass sie auf lokaler politischer Ebene immer öfter in Entscheidungen miteinbezogen werden. Es gibt in der Wirtschaft Unternehmen, die ihre Kunden aktiv als Stakeholder in Prozesse einbeziehen. Warum sollte man das also als Romanautor nicht auch machen? Und seien wir uns ehrlich: Ich war ein Jahr lang jeden Tag mit Bodenturbulenzen beschäftigt. Du hast neben diesen beiden WhatsApp-Stunden am Donnerstag nichts zu tun, außer dich auf die faule Haut zu legen und an Theresa zu denken. Ich glaube nicht, dass du dich beklagen kannst.

Letzte Frage: Ist dir nicht schrecklich langweilig, nachdem du Bodenturbulenzen nun abgeschlossen hast?
Pellmann: Nicht wirklich. Ich arbeite bereits seit einiger Zeit an einem Nachfolgeprojekt, das im Februar 2015 starten wird. Da auch hier wieder interaktive Elemente eingesetzt werden und so ein Schreibprozess ganz generell nicht gerade langweilig ist, konnte ich mich in den vergangenen Monaten nicht über zu viel Freizeit beschweren.